Fighter Pilot Teamwork

by | Feb 26, 2020

Extreme T.E.A.M. – What it takes to build a Fighter Pilot Team

Um ganz ehrlich zu sein, gibt es ein Attribut, was im Auswahlprozess für Kampfpiloten, nur eine kleine Rolle spielt – und das ist Teamfähigkeit.

Ganz recht. Kein Bewerber wird primär ausgewählt, weil er ausgeprägte Teamfähigkeiten mitbringt.

Bei Bewerbern, die sich auf einen Ausbildungsplatz bei einer großen deutschen Airline bewerben, werden Sie ohne ausgeprägtes und demonstriertes Teamverhalten nicht mal den ersten Tag im Auswahlprozess überstehen.

Ist ja klar oder – im Airliner sitzt man ja auch zu zweit, im Eurofighter sitzt man alleine, da „braucht‘s das ja auch nicht. Stimmt so natürlich nicht. Trotzdem ist es ein Fakt, dass Militärpiloten nicht bei allen Fluggesellschaften erste Wahl für einen Platz im Cockpit sind, weil ihnen nachgesagt wird, nicht besonders teamfähig zu sein.

Ich glaube, dass das kompletter Unsinn ist.

Es gibt vermutlich keine professionellere Gemeinschaft, kein besseres Teamverhalten als in einer Fliegerstaffel oder ähnlichen militärischen Einheiten außerhalb der Fliegerei. Obwohl die Voraussetzungen dafür gar nicht so ideal sind.

Big egos flying fast jets – calling for trouble?

Stellen Sie sich vor, Sie müssten ein Team aus den besten, hochqualifiziertesten Menschen zusammenstellen, die alle einen sehr anspruchsvollen Selektionsprozess durchlaufen haben. Ihnen wurde jeden Tag gesagt, sie gehören zum den besten der besten. Nur ungefähr 1% der Bewerber schafft es überhaupt bis hierhin. Jeder von diesen Typen glaubt auch fest daran, Gottes einzig wahres Geschenk für die militärische Luftfahrt zu sein. Diese Menschen bringen Sie nun in einem Raum zusammen und sagen Ihnen, ihr müsst jetzt ein Team sein. Das klappt bestimmt, oder nicht?

Kann das wirklich funktionieren?

Nun, das tut es. Und zwar ziemlich gut.

Die fliegerische Ausbildung zum Kampfpiloten ist natürlich zunächst einmal eine Art Wettbewerb, es gibt immer kleine Rivalitäten. Das ist ganz normal.

Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer?

Hat man den ersten Teil seiner Ausbildung erfolgreich absolviert und die Waffensystemausbildung abgeschlossen, wird man schließlich in die erste richtige Einheit versetzt – die eigene Staffel. Ab jetzt ist man das erste Mal Teil einer Gemeinschaft, wir tragen dieselben Abzeichen, fliegen zusammen, man geht auf gemeinsame Kommandos. Man beginnt zu begreifen, dass es zwar einerseits immer noch um die persönliche Entwicklung der fliegerischen Fertigkeiten geht – man ist noch lange nicht am Ende der Ausbildung angekommen – doch andererseits erkennt man schnell, dass immer auf andere Personen im Team angewiesen ist. Taktisch fliegt man so gut wie nie allein. Die Anzahl der Flugzeuge bei einer taktischen Mission ist immer mindestens 2, oder mehr. Man kann die Aufgaben gar nicht alleine bewältigen.

Aber ganz so einfach so es natürlich nicht.

Also was ist es?

Klar denken wir alle an ein gemeinsames Ziel, gute Kommunikation, vielleicht auch Empathie oder eine gute Rollenverteilung. Da gibt es sicherlich viele Attribute, die dazugehören, um ein TEAM erfolgreich zu machen. Es ist auch nicht nur die im militärischen Umfeld oft genannte Kameradschaft. Die spielt sicherlich eine Rolle, alle die einmal diese Kameradschaft erlebt haben, werden verstehen wovon ich rede. Aber das würde bedeuten, dass außerhalb des Militärs andere Dinge eine Rolle spielen. Ich glaube, dass das so nicht stimmt. Es ist völlig egal ist in welchem Umfeld man sich als Team bewegt. Die Maßstäbe oder Faktoren guter Teamarbeit sind überall gleich.

Für mich sind es nur 4 Dinge, die ein wirklich gutes Team ausmachen:

TRUST – die Grundlage

Ohne Vertrauen, gibt es kein Team – Punkt! Es ist die Grundlage eines jeden Teams. Wenn es kein Vertrauen gibt, wird ein Team nicht funktionieren. Ohne Vertrauen gibt es nur Zweifel und ständige Kontrolle. So kann sich die volle Leistungsfähigkeit eines Teams nicht entfalten.

Kampfpiloten müssen sind sich in extremen Situationen blind aufeinander verlassen können. Fliegen in enger Formation im schlechten Wetter, da sieht man vom Führungsflugzeug unter Umständen nur noch die Flügelspitze. Da müssen Sie sich darauf verlassen, dass der Formationsführer auch weiß was er tut. Aber auch auf den Flügelmann muss man in einer solchen Situation vertrauen können. Schließlich muss er die Position konstant halten und dafür sorgen, dass die Flugzeuge sich nicht berühren.

Dieses Vertrauen gibt es allerdings nicht als Vorschuss. Man muss es sich zu Beginn hart erarbeiten. Als ich in meine erste Einsatzstaffel versetzt wurde, dauerte es nicht lange bis ich meinen ersten „inoffiziellen“ Checkflug mit dem erfahrensten und härtesten Fluglehrer hatte. Ich war gerade frisch aus der Tornado Waffensystemschulung gekommen und hatte nur einige weitere Flüge absolviert. Ich sollte als Formationsführer einen Luftkampfeinsatz planen, briefen und in der Luft führen und anschließend debriefen. So etwas hatte ich bis dato noch nie gemacht. Aber man wird ganz bewusst diesen herausfordernden Situationen ausgesetzt. Man möchte sehen, ob Sie sich diesen Aufgaben stellen. Ob Sie versuchen Ihr Bestes zu geben, und ob Sie das potential haben, ein wertvolles Mitglied dieser Art von Gemeinschaft zu sein.

Wie ist mein Flug damals gelaufen – ich habe ganz schön geschwitzt. Der Flug war bestimmt nicht mein Bester – aber er war ok. Ich hatte mich der Herausforderung gestellt, und das Resultat wurde anschließend für gut befunden. Das hat mir niemand direkt gesagt, aber danach wurde ich recht schnell auch für recht anspruchsvolle Missionen eingeteilt. Ich hatte mich wohl nicht zu dumm angestellt.

Die ultimative Frage in unserer Branche ist: „Sollte es einmal so weit kommen, würde ich mit diesem Teammitglied in einen Einsatz (oder etwas Vergleichbares) gehen wollen?“

Wenn ja, dann haben wir eine gute Grundlage, wenn nicht, haben wir ein Problem!

EXCELLENCE – der Motor

Nach einem bekannten Zitat von Brigade General Robin Olds, einem meiner persönlichen Helden, haben Kampfpiloten eine ganz besondere Eigenschaft – wir wollen wirklich „GUT“ sein in dem was wir tun. Man versucht aber ständig jedes Manöver so nahe wie möglich am Optimum zu fliegen, jeden Teil der Mission genau nach dem Plan zu fliegen. Wenn das nicht klappt, werden wir versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Dazu muss man wissen, dass die Leistungsstandards, an denen wir uns messen lassen müssen, schon sehr hoch angesetzt sind. Sie sind sehr nahe am möglichen Optimum. Viel Margin für Fehler gibt es in der militärischen Luftfahrt nun mal nicht.

Uns wird diese Art von Einstellung schon in der Grundschulung eingetrichtert. Wir nehmen sie sozusagen mit der Pilotenmuttermilch auf. Alleine schon jeder theoretische Test muss mit mindestens 85% Punktzahl bestanden werden. Ziel sind aber eigentlich immer nur 100% – bei 99% ärgert man sich bereits. Denn andere schaffen die 100% schließlich.

Auch in der fliegerischen Ausbildung wird natürlich jeder Flug bewertet. Die beste Note war zu unserer Zeit ein „Excellent“ – die zweitbeste ein „Good“. Ein „Good“ war aber in Wirklichkeit für uns eben nicht „Good“ – man wollte immer ein „Excellent“.

Dieser Ansporn zieht sich durch eine ganze fliegerische Karriere. Man hat diesen besonderen Anspruch an sich selbst, und natürlich auch an das ganze Team. Deshalb verbringen wir auch soviel Zeit damit, die Mission im Debriefing bis auf das letzte Detail zu analysieren, und Fehler gezielt anzusprechen. Wir wollen immer das Optimum erreichen – das ist der Anspruch, dem wir uns jeden Tag stellen.

Ich bin davon überzeugt, dass wenn jedes Teammitglied diesen Gedanken verinnerlicht hat, und bereit ist sein Bestes zu geben, auch am Ende ein gutes Ergebnis steht.

Eines möchte ich noch hinzufügen: Es ist dabei gar nicht entscheidend, dass jeder im Team ein sogenannter „A-Player“ oder Superstar ist. Nicht jeder ist ein Robin Olds, Michael Schumacher, Christiano Ronaldo oder Michael Jordan. Das ist aber gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass auch die „normalen“ Performer eines Teams versuchen ihre persönliche beste Leistung zu erbringen. Denn auch diese sichert am Ende den Erfolg des Teams.

ACCOUNTABILITY – das Rückgrat

Verantwortung als Rückgrat; was bedeutet das? Für mich hat Verantwortung viel mit Aufrichtigkeit zu tun. Diese Aufrichtigkeit bildet für mich das Rückgrat eines jeden Teams. Habe ich diese Integrität nicht, werden Personen nicht für Ihre Handlungen einstehen und diese auch nicht mit der nötigen Intensität erledigen.  

Die deutsche Bezeichnung „Verantwortung“ ist in der englischen Sprache in 2 Begriffe unterteilt. Während vermutlich jeder den Begriff „Responsibility“ kennt, gibt es in der englischen Sprache noch einen weiteren Begriff – Accountablility.

Wo ist der Unterschied? Nun, für mich besteht der entscheidende Unterschied darin, dass man „Responsibility“ delegieren kann, „Accountability“ jedoch nicht. Persönliche Verantwortung stellt für mich das Rückgrat eines Teams dar. Es bedeutet für die übertragenden Aufgaben einzustehen, und ggf. auch geradezustehen. Es ist nicht immer ganz einfach, für etwas Verantwortung zu tragen, das kann auch eine Bürde sein, gerade wenn viel daran hängt. Nur ohne das, geht es leider nicht.

Das „Toll Ein Anderer Machts“ Mnemonik klingt zwar ganz spaßig, ist aber natürlich nicht wirklich zielführend, auch wenn teilweise leider was Wahres dran ist.

Für eine Mission mit 4 Tornado Flugzeugen gehören 8 Personen: 4 Piloten und 4 Waffensystemoffiziere. Jede dieser Personen wird im Zuge der Planung eine ganz bestimmte Aufgabe zu erledigen haben. Dazu gehören zum Beispiel, die Briefing Vorbereitung, das Missionsdatenblatt, die Route, die Waffeneinsatzplanung, das Angriffsverfahren, der Tankerplan, die Gefahrenabwehr, die elektronischen Abwehrmaßnahmen, etc.

Jede dieser Aufgaben hat dabei den gleichen Stellenwert für die Mission. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob eine Aufgabe wichtiger oder wertiger erscheint als eine andere. Für die Mission zählen alle gleich. Ist eines dieser Einzelteile zur Briefingzeit nicht fertig, gehen wir nicht fliegen. Das wissen alle Beteiligten. Jeder trägt dafür individuell die Verantwortung, diese kann nicht delegiert werden.

Am Ende geht es darum, Verantwortung nicht nur zu haben, sondern auch wirklich übernehmen zu wollen!

MUTUAL SUPPORT – das Herz

Bisher habe ich fast nur über individuelle Faktoren gesprochen: Vertrauen, Excellence und Verantwortung sind Dinge, die primär mich als Individuum betreffen. Wo bleibt da das Team?

Das Herz eines jeden Teams ist etwas, was wir in der Fliegersprache „Mutual Support“ nennen – gegenseitige Unterstützung – klingt auf deutsch nicht so spannend, trifft es aber ganz gut.

Auch manchmal als Wingman Prinzip bezeichnet, ist es der Faktor, der immer dann zum Tragen kommt, wenn die Dinge mal nicht so gut laufen. Das ist meist der ultimative Test für jedes Team, wie reagiert es unter Druck oder in schwierigen Situationen.

Das Prinzip von „Mutual Support“ ist fast so alt wie die Militärfliegerei selbst. Eddie Rickenbacher entwickelte das Prinzip von Formationsführer und Flügelmann schon im ersten Weltkrieg. Bis heute wurde es immer weiter verfeinert und auf moderne Kampflugzeuge angepasst. Aber das dabei angewendete Prinzip bleibt dasselbe.

Es geht darum, sich immer gegenseitig den Rücken frei zu halten. In einem Kampfflugzeug gibt es einen verwundbaren Punkt, der nur schwer zu überwachen ist. Nämlich alles was hinter uns passiert, in unserer „Six o’clock“ Position. Deshalb wird eine taktische Formation immer so gewählt, dass wir genau diesen Punkt gegenseitig überwachen können. Und zwar kontinuierlich.

In einen taktischen Einsatz wird man nie alleine gehen, man wird immer mit mehreren Flugzeugen in Formation fliegen. Wir haben so immer Mutual Support dabei, wir passen aufeinander auf, wir helfen einander. Wir brauchen schließlich jedes Teammitglied, um die Mission zu erfüllen.

In kritischen Situationen sind wir im Team meist auf Hilfe anderer angewiesen, man kann nicht jedes Problem alleine lösen. Und gerade unter Druck zeigt sich erst, aus welchen Holz ein Team wirklich geschnitzt ist. Wird diese gegenseitige Unterstützung gelebt, wird Hilfe angeboten, wenn sie offensichtlich gebraucht wird und kann auch um Hilfe gebeten werden, obwohl wir in einem Umfeld von hohen Leistungsansprüchen für jedes Individuum arbeiten.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, sind wir als Team für alle Situationen gewappnet.

Setzen wir diese 4 Attribute zusammen ergeben sie die Grundlage für Fighter Pilot Team Work

Trust – Excellence – Accountability – Mutual Support

T.E.A.M.

A foundation of trust and an attitude of excellence, where people take responsibility and watch out for each other, when shit hits the fan.